Über albertxmartin

Albert Martin ist seit 2015 Professor im Ruhestand. Er lehrte u.a. an den Universitäten Mannheim, Paderborn, Bamberg und Lüneburg. Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Entscheidungstheorie, Organisation, Personal und Arbeit.

Der sozialkonstruktivistische Anti-Popper im Alltag

Dass Denken und Handeln nicht übereinstimmen wird ja oft als schlecht gebrandmarkt, leider ist es aber auch so, dass Denken und Handeln sich nicht selten unheilvoll miteinander verbünden.

Ein Zitat von George Kelley, The Psychology of Personal Constructs. New York (S. 12 f.):

A man construes his neighbor’s behavior as hostile. By that he means that his neighbor, given the proper opportunity, will do him harm. He tries out his construction of his neighbor’s attitute by throwing rocks at his neighbor’s dog. His neighbor responds with an angry rebuke. The man may then believe that he has validated his construction of his neighbor as a hostile person.

zitiert nach Snyder/Gangested 1981. 176

Snyder, M./Gangested, S. 1981: Hypothesis-Testing Processes. In:
Harvey, J.H./Ickes, W./Kidd, R.F. (Hrsg.). New Directions in
Attribution Research. Band 3. 171-196. Hillsdale

Warum Ökonomie?

Über den Stellenwert der Ökonomie braucht man sich eigentlich nicht zu streiten:

When people refer to the firm, or any other institution, as „viable“, they are often referring to economic viability. From this preoccupation with the economic dimension stems the assumption that most of our problems are economic too.

Solvency, it is true, is a prerequisite of business activity –  to trade while insolvent is illegal. Profitability, too, is a prerequisite – lack of business confidence is not illegal, but it is lethal. So these affairs are of primary concern.

But they do not (as many suppose) constitute the goals of the enterprises. Rather are they the constraints under which it operates.

Beer 1985, Diagnosing the system of organizations, X f.

Epistemische Tugenden

Braucht ein Wissenschaftler Tugenden? Anzunehmen. Daston/Galison (Daston, L.; Galison, P. 2007: Objektivität. Frankfurt/M.) nennen einige Tugenden: Der Beobachter braucht Geduld und Aumerksamkeit, der Experimentator Geschick, der Theoretiker Einbildungskraft. Sie schreiben: „Eine Erkenntnistheorie ohne Ethos mag denkbar sein, aber begegnet sind wir noch keiner. Solange Erkenntnis einen Erkennenden postuliert und solange der Erkennende als potentielle Hilfe oder Hürde für die Erwerbung von Erkenntnis gilt, wird sein Selbst ein erkenntnistheoretisches Thema sein“ (Daston/Galison 2007, 43). Vielleicht ist es schwierig, über die Erkenntnistheorie zu sprechen und einfacher über die Wissenschaftslehre, wenn man die Tugendargumentation einmal annimmt: Wäre die Wissenschaftslehre dann nicht auch eine Tugendlehre? Und um nochmal eine speziellere Seite anzusprechen, wie ist das mit der Methodologie (der Technologie der Erkenntnisgewinnung): was braucht es da Ethik, ist nicht gutes „Handwerk“ genug?