AKempor-Tagung 2020: 19. und 20. November 2020 in Flensburg

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Tagung 2020 in Flensburg

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Die 18. Jahrestagung des Arbeitskreises »Empirische Personal- und Organisationsforschung« findet am 19. und 20. November 2020 an der Europa- Universität Flensburg statt.

Der thematische Schwerpunkt der Tagung ist:

„Transformation durch Organisation“

Der Call for Paper sowie weitere Informationen zur Tagung folgen in Kürze.

Interessante Publikation: „Transformationen der Arbeitsgesellschaft“

Stefanie Ernst/ Guido Becke (Hrsg.) Transformationen der Arbeitsgesellschaft. Prozess- und figurationstheoretische Beiträge (ISBN: 978-3-658-22711-1, Preis 44,99 €)

„Das Buch versammelt deutsch- und englischsprachige Texte, die prozesssoziologisch orientierte arbeits- und organisationssoziologische Ansätze verfolgt, um den Transformationen (in) der Arbeitswelt auf die Spur zu kommen und so Antworten auf aktuelle, gesellschaftliche Fragen zu entwickeln.  Dabei steht die Analyse der Genese, der Struktureigentümlichkeiten und Polyvalenzen von Arbeit und Wissen im Zentrum. Der Zugang ist damit ein historisch-soziologisches und vergleichendes Vorgehen, das die Untersuchung von Kontinuität und Wandel, von Konflikten und Machtstrukturen von Arbeitsgesellschaften in ihrer Vielfalt abbildet.“

Abstracts der einzelnen Beiträge kann man hier lesen. Oder auch hier.

Tagung 2019 – Rückblick

Danke an Ortrud Leßmann, Dorothea Alewell und alle Beitragenden für die Ausrichtung der Tagung 2019!

Die Fotografin Anna Jablonski hat viele schöne Bilder von der Tagung gemacht. Ein kleine Auswahl finden Sie unter der Überschrift „Rückblick“ online: https://www.sga.uni-hamburg.de/events/akempor/rueckblick.html

Mehr Informationen finden Sie hier: https://akempor.wordpress.com/tagungen/tagung-2019/

Copyright UHH/Anna Jablonski

Hinzuweisen ist auf den Call for Papers für das Sonderheft der Zeitschrift Management Revue, das aus der Tagung entstehen soll. Einreichungsschluss ist der 31. Oktober.

 

Neue Publikation: Martin, A. 2019: Kollektive Entscheidungsprozesse

Martin, A. 2019: Kollektive Entscheidungsprozesse. Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft)

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Kollektive Entscheidungsprozesse entwickeln nicht selten eine Komplexität, die die Komplexität ihres Entscheidungsgegenstandes weit übertrifft. Sie sind oft unberechenbar, unstetig und voller überraschender Wendungen. Mehrdeutigkeit und Unbestimmheit prägen das Geschehen. Komplikationen entstehen zudem dadurch, dass sich die Suche nach Problemlösungen oft untrennbar mit interessenpolitischen Auseinandersetzungen verknüpft. Aber auch das unübersichtlichste Entscheidungsgeschehen gründet nicht im Chaos, es wird, unbeschadet von allen seinen Eigenheiten und Wendungen, vielmehr maßgeblich von ganz allgemein wirksamen Handlungstendenzen und Mechanismen bestimmt. Hiermit befasst sich das vorliegende Buch. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Betrachtung der strukturellen Aspekte der Entscheidungsfindung. Bedeutsame Forschungsergebnisse werden anhand ausführlicher Schilderungen bemerkenswerter Studien illustriert und erläutert.

Das Inhaltsverzeichnis des Buches findet sich in der folgenden pdf-Datei. (Dieser Blogpost wurde zuerst hier veröffentlicht.)

Neue Publikation: „Zeitliche Verlaufsformen von Entscheidungsprozessen in Organisationen“

Das Garbage Can Model (Cohen/March/Olsen 1978; 2012) (GCM) wird häufig zitiert, allerdings weniger häufig als andere Organisationstheorien. Eine Suche bei http://www.scholar.google.com zeigt folgende Resultate:

  • „Garbage Can Model“: 14.300 Treffer
  • “Resource Dependence Theory”: 16.600 (“Resource Dependence Perspectice”: 20.400)
  • “Behavioral Theory of the Firm”: 25.200
  • “Transaction Cost Theory”: 34.600
  • “Rational Choice Theory” 78.500

Die relativ geringe Anzahl von Zitationen mag damit zusammenhängen, dass eine Arbeit mit dem Modell voraussetzungsvoll ist. Erstens ist ein mindestens rudimentäres Verständnis von Programmiersprachen allein schon deswegen notwendig, um das GCM angemessen zu verstehen. Zweitens ist nicht so einfach, mit dem Modell konkret in der Forschung zu arbeiten. Man kann zum einen den Weg der empirischen Studie wählen oder zum anderen den der Simulation. Empirische Studien sind anspruchsvoll, weil man z.B. Wissen über Entscheidungsgelegenheiten, Teilnehmer, Probleme und Lösungen benötigt. Man müsste u.a. wissen, wer an welchen Entscheidungen teilnimmt (Zugangsstrukturen), wie die hierarchische Position der Teilnehmer ist (Wichtigkeit), wie viel Zeit die Entscheider haben, wie ihre Zeit von anderen Problemen in Anspruch genommen wird, über welches Problemlösungswissen sie verfügen, welches Problem wie wichtig ist etc. Es dürfte sehr schwer sein, in Betrieben oder anderen Organisationen Zugang zu solchen Informationen zu erhalten. Dabei wäre es sicher interessant, etwas über die Entscheidungen der Deutschen Bank über die Cum-Ex- und Cum-Cum-Geschäfte oder über Bayers Entscheidung über den Kauf von Monsanto aus einer GC-Perspektive in Erfahrung zu bringen. Vielleicht wurden die ersten empirischen Studien mit dem GCM deswegen in Schulen und Universitäten durchgeführt, weil die Zugangsmöglichkeiten für die Forscher dort besser sind. Wenn man nicht – im engeren Sinne – empirisch mit dem GCM arbeiten will, wendet man das Simulationsmodell an. Man kann zu neuen Erkenntnissen kommen, wenn man die Annahmen und Parameter modifiziert und die auf dieser Basis resultierenden Ergebnisse der Simulationsläufe analysiert. Der meiner Kenntnis nach einzige Wissenschaftler im deutschsprachigen Raum, der sich intensiver mit dem CGM befasst und es weiterentwickelt, ist Albert Martin. Bereits in seiner Habilitationsschrift hat er eine modifizierte Version des ursprünglichen CGM angewandt und die Befunde seiner Simulationsläufe vorgestellt sowie diskutiert (Martin 1989). Jüngst hat er ein dem GCM sehr verwandtes Modell entworfen, das sich mit der Problemzuwendung befasst. Martin schreibt:

„Der Beitrag beschäftigt sich mit dem zeitlichen Verlauf von Entscheidungsprozessen in Organisationen. Anhand eines Simulationsmodells werden die zeitlichen Konsequenzen von Defiziten in der Problemzuwendung aufgezeigt. Als weitere Einflussgrößen werden der Problemzufluss,  die Problemlösungskapazitäten und die Problemlösungsfähigkeiten betrachtet, sowie die Schwierigkeiten und Hindernisse,  mit denen kollektive Entscheidungsprozessen in Organisationen konfrontiert werden. Das Simulationsmodell beschreibt das Zusammenwirken dieser Größen. Es zeigt, dass der zeitliche Verlauf von Entscheidungsprozessen ganz maßgeblich von strukturellen Parametern bestimmt wird, die sich nur in begrenztem Maße beeinflussen lassen, die sich also – paradoxerweise – dem willentlichen Entscheidungshandeln entziehen.“ (Das Papier kann hier heruntergeladen werden: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/195922/1/1663303703.pdf)

Literaturverzeichnis

  • Cohen, Michael D.; March, James G.; Olsen, Johan P. (1972): A Garbage Can Model of Organizational Choice. In: Administrative Science Quarterly 17 (1), S. 1–25.
  • Cohen, Michael D.; March,, James G.; Olsen, Johan P. (2012): A Garbage Can Model At Forty: A Solution that Still Attracts Problems. In: Alessandro Lomi und J. Richard Harrison (Hg.): The Garbage Can Model of Organizational Choice: Looking Forward at Forty (Research in the Sociology of Organizations, Volume 36) Emerald Group Publishing Limited. Howard House et al.: Emerald Group Publishing Limited, S. 19–30.
  • Martin, A. (1989): Die empirische Forschung in der Betriebswirtschaftslehre. Stuttgart.
  • Martin, Albert (2019): Zeitliche Verlaufsformen von Entscheidungsprozessen in Organisationen. Ein Simulationsmodell der Problemzuwendung. Lüneburg: Heft 49. Schriftenreihe des Instituts für Mittelstandsforschung Universität Lüneburg. Zum Download: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/195922/1/1663303703.pdf

Bidquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Garbage_Can_Model_Arena.png