Kein Methodenzwang!

Paul Feyerabend über Regeln in der Forschung. Auch der Feyerabend ist aber für Ordnung in der Küche. Oder: Manchmal kann man auch mit dem, was gerade in der Küche ist, ein leckeres, ganz neuartiges Gericht kochen. Kochbücher sind gut, aber auch einengend.

„… one can show the following: given any rule, however ‚fundamental‘ or ‚rational‘, there are always circumstances when it is advisable not only to ignore the rule, but to adopt its opposite. For example, there are circumstances when it is advisable to introduce, elaborate, and defend ad hoc hypotheses, or hypotheses which contradict well-established and generally accepted experimental results, or hypotheses whose content is smaller than the content of the existing and empirically adequate alternative, or self-inconsistent hypotheses, and so on. There are even circumstances – and they occur rather frequently – when argument loses its forward-looking aspect and becomes a hindrance to progress.“ (Feyerabend, P. (1993). Against Method (3. Aufl.). London: Verso: 14f.).

Die dritte, englischsprachige Auflage des Buches „Against Method“ findet man hier.

Danke an Albert Martin für die Bildmontage. (Ursprünglich ist dieser Beitrag auf dem Blog „www.employmentrelations.de“ erschienen.)

Advertisements

Aufsätze einreichen zu „Forschungsmethoden im Feld der industriellen Beziehungen“

In der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift „Industrielle Beziehungen“ (Heft 1/2017) weisen Wenzel Matiaske, Jessica Pflüger  und Rainer Trinczek auf den Aufsatz von Tobias Gebel, Sophie Rosenbohm und Andrea Hense (2017) hin, der die Möglichkeiten der Sekundäranalyse von im Forschungsfeld häufig verwendeten qualitativen Interviewdaten behandelt. Gleichzeitig wird dazu ermuntert, weitere Aufsätze zu Forschungsmethoden im Feld der Industriellen Beziehungen einzureichen.

„Forschungsmethoden im Feld der industriellen Beziehungen

Die Forschung im Feld der industriellen Beziehungen kann auf eine lange empirische Tradition und breite Erfahrungen mit unterschiedlichsten qualitativen und quantitativen sozialwissenschaftlichen Erhebungs- und Auswertungsverfahren zurückblicken. Da in der Regel das Interesse am Forschungsgegenstand im Zentrum steht, werden methodische und methodologische Fragen häufig eher beiläufig thematisiert. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund aktueller struktureller Veränderungen von Erwerbsarbeit (z.B. von Arbeitserfahrungen, organisationalen Prozessen oder Beschäftigungsverhältnissen) und deren (De-)Regulierung (durch unterschiedliche nationale und globale gesellschaftliche Akteure und Institutionen), stellen sich Fragen nach angemessenen und produktiven methodischen Vorgehensweisen in neuer Art und Weise. Wie kann Forschung aussehen, um solche – und andere – Wandlungstendenzen angemessen abzubilden? Welche Methoden können wie zum Erkenntnisfortschritt im Forschungsfeld der industriellen Beziehungen beitragen?

Diese Fragen behandeln die Beiträge in der Reihe „Forschungsmethoden“, welche wir mit diesem Heft eröffnen. Der erste Aufsatz der Serie von Tobias Gebel, Sophie Rosenbohm und Andrea Hense behandelt Möglichkeiten der Sekundäranalyse von im Forschungsfeld häufig verwendeten qualitativen Interviewdaten. Problemlösungen der Archivierung und Nachnutzung von qualitativen Daten werden diskutiert,  die neue Möglichkeiten für Längsschnitt- und Trendanalysen , aber auch für breiter angelegte Querschnittstudien eröffnen.

Weitere Beiträge, die forschungspraktische Erfahrungen reflektieren und methodologische Fragen im Feld der industriellen Beziehungen zur Diskussion stellen, folgen in den kommenden, thematisch nicht gebundenen Heften der Zeitschrift. Wir freuen uns über den gelungenen Auftakt der Reihe, möchten den Autorinnen und Autoren des vorliegenden und der folgenden Beiträge für ihre Arbeit danken und zugleich ermuntern weitere Aufsätze zu methodischen Fragen einzureichen.

Wenzel Matiaske, Jessica Pflüger  und Rainer Trinczek“

Referenzen
Gebel, T., Rosenbohm, S. & Hense, A. (2017). Sekundäranalyse qualitativer Interviewdaten. Neue Perspektiven in der Industrial Relations-Forschung PDF Eingeschränkter Zugriff. Industrielle Beziehungen, 24 (1), 7–30.

Neues Methodenbuch zur Vignettenanalyse erschienen

In der schönen Reihe „Sozialwissenschaftliche Forschungsmethoden“ (Rainer Hampp-Verlag)  ist ein neuer Band erschienen, mittlerweile der 13.

Die Vignettenanalyse in den Sozialwissenschaften. Eine anwendungsorientierte Einführung (von Katja Rost und Nicholas Arnold)

 

„Wann ist ein Einkommen gerecht? Unter welchen Umständen sollen Ausländer eingebürgert werden? Wie kann die Rente reformiert werden? Fragestellungen dieser Art lassen sich mit der Vignettenanalyse beantworten. Die Methode erhebt die Einstellungen von Personen zu spezifischen Sachverhalten, indem Situations- oder Personenbeschreibungen in Befragungen systematisch variiert werden. Die Vignettenanalyse verbindet folglich die positiven Aspekte von Befragungen und Experimenten miteinander.Der vorliegende Leitfaden legt die Grundzüge der Vignettenanalyse einfach und verständlich dar. Pragmatisches Ziel ist die Befähigung zur selbstständigen Anwendung der Methode. Erklärungen erfolgen stets anhand fiktiver und realer Beispiele. Die verwendete Software wird im Detail ausgeführt. Kapitel 2 gibt einen Überblick über das Verfahren der Vignettenanalyse, grenzt die Methode von ähnlichen Methoden ab, zeigt vorangegangene Anwendungen in verschiedenen Forschungsdisziplinen auf und diskutiert Vor-, aber auch Nachteile der Methode. Kapitel 3 zeigt auf, wie ein experimentelles Design im Rahmen der Vignettenanalyse erstellt wird, wie eine Auswahl von Vignettensets erfolgen kann und welche Nachteile hiermit verbunden sind. Kapitel 4 widmet sich der Erstellung und Durchführung der Befragung, beispielsweise der Fragebogengestaltung, der Präsentation der Vignetten, der Konstruktion von Messskalen, Instruktionen an die Befragten oder dem Pretest. In Kapitel 5 werden die Methoden der Datenanalysen anhand eines realen Beispiels nachvollziehbar dargelegt. Der Leitfaden schließt mit einer Zusammenfassung wesentlicher Durchführungsschritte.“
Mehr Informationen und Bestellmöglichkeiten finden Sie hier.

The 10 stuff-ups we all make when interpreting research

Sehr schöner Beitrag:

UNDERSTANDING RESEARCH: What do we actually mean by research and how does it help inform our understanding of things? Understanding what’s being said in any new research can be challenging and there are some common mistakes that people make.Have you ever tried to interpret some new research to work out what the study means in the grand scheme of things?Well maybe you’re smart and didn’t make any mistakes – but more likely you’re like most humans and accidentally made one of these 10 stuff ups.

via The 10 stuff-ups we all make when interpreting research.

Fallstudien in Seminararbeiten

Als Hilfestellung für Studierende haben wir ein kurzes „Arbeitspapier“ verfasst.  Es soll Studierenden helfen, eine Seminararbeit in Form einer Fallstudie zu verfassen. Die Beispiele beziehen sich auf den Gegenstand eines konkreten Seminars, nämlich auf ein Seminar zum Thema „Negative Unternehmenspraktiken“. Nahezu alle Hinweise las­sen sich aber auch leicht auf andere Themen übertragen, sind also von allgemeiner Bedeutung bei der Erstellung von Fallstudien.

Wir behandeln in dem Papier u.a. folgende, recht basale Fragen: Was ver­steht man unter einer Fallstudie? Nach welchen Kriterien kann man einen Fall auswählen? Was muss man für Details bei der Analyse des Falls beachten (z.B. muss man klären, wann das Fallgeschehen beginnt und endet)? Und welche Quellen kann man und muss man nutzen? Kaum behandelt wird die Frage, inwieweit die Erkenntnisse von Fallstudien verallgemeinerbar sind, auf allgemeinere Theorien und Hypothesen bezogen werden können usw. Wir betonen sehr stark die deskriptive Seite und wenden uns an Studierende, die über keine (oder sehr wenig) Kenntnisse wissenschaftlicher Methoden verfügen (Studierende von Bachelorstudiengängen der Betriebswirtschaftslehre z.B.). Das Papier (Nienhüser, W./Wolfslast, M./Cichon, J. (2014): Die Fallstudien-Methode in wissenschaftlichen Arbeiten. Essen) ist als PDF zum Download erhältlich.

Wie schätzen Sie Ihre sozialen Fähigkeiten ein? – Selbsttest mit einem Fragebogen zur Messung „Sozialer Fähigkeiten“

Das Institut für Mittelstandsforschung (IMF) der Universität Lüneburg (Prof. Albert Martin) hat einen Fragebogen zur Messung sozialer Fähigkeiten entwickelt.  Der Fragebogen mit einer Kurzskala zur Beurteilung der sozialen Fähigkeiten steht jedermann zur Verfügung. Auf der Internetseite können Sie selbst prüfen, inwieweit Sie über soziale Fähigkeiten verfügen. Sie bekommen eine Rückkopplung in Form eines Ausdrucks, der Ihnen „schwarz auf weiß“ Auskunft gibt.

Das – vermeintlich – Einfache ist das Gute

1. Qualitative und quantitiative Forschung unterscheiden sich nicht so grundsätzlich, wie manche erkenntnistheoretische Positonen es nahelegen. Dies macht das im besten Sinne auf praktische Anwendungen ausgerichtete Buch von Bernard und Ryan klar. Ein Beispiel: Mit welchem Thema oder welchen Themen befasst sich ein Text? Texte können Geschäftsberichte, Interviews, Antworten auf (offene) Fragen usw. sein. Eine solche Frage nach dem „Thema“ ist grundlegend und eben nur vermeintlich einfach zu beantworten. Bernard und Ryan meinen, dass die Verhaftung in erkenntnistheoretischen Lagern verhindert, dass sinnvolle Analysetechniken  über die „Lager“- und Disziplingrenzen hinaus genutzt werden und daher nur „lokal“ bekannt sind. Ihr Buch sollte dieses Problem reduzieren.

Bernard, H. R., & Ryan, G. W. (2010). Analyzing Qualitative Data: Systematic Approaches. Los Angeles, CA: SAGE.

2. Statistische Tests müssen sinnvoll ausgewählt, die Ergebnisse vernünftig dargestellt werden. Hier hilft der folgende Aufsatz:

Wright, D.B. (2003). Making friends with your data: Improving how statistics are conducted and reported. In: British Journal of Educational Psychology, Vol. 73: 123-136. (http://www.baomee.info/pdf/MakeFriends/1.pdf )